Warum Sind Ledersohlen so teuer?

Eine fachgerechte Reparatur beachtet die anatomischen Grundlagen und setzt daher deren Kenntnis voraus. Daher kleben wir auf die alte Sohle nicht einfach was drauf. Bei unseren Ledersohlenreparaturen entfernen wir durchgelaufene Bereiche der Sohle und ersetzen sie durch eine neue Sohle in Originalstärke.

 

Nur diese Vorgehensweise bietet Ihrem Fuß immer wieder eine optimale, ebene Auftrittsfläche. Diese Mehrarbeit macht unsere Sohlenreparaturen zwar aufwändiger und damit teurer, allerdings zum Wohle Ihrer Schuhe und Ihrer Gesundheit. Das kann natürlich jeder behaupten, deswegen wollen wir es hier etwas näher erläutern.

Worauf es bei Der Sohlenreparatur ankommt

Querschnitt durch einen Schuh mit durchgelaufenen Sohlen

Warum machen wir den Fehler, Ledersohlen so teurer anzubieten, wo es doch viel einfacher ist, billigere Produkte zu verkaufen? 

 

Etwas mehr Aufwand und hochwertiges Material sind einfach unabdingbare Voraussetzung, um ein langlebiges, schönes und die Fußgesundheit förderndes Ergebnis zu erhalten. 

 

Um die Preise bei Sohlenreparaturen zu vergleichen, sollten Sie also auch die zugrunde liegende Leistung vergleichen. Aber wer kennt sich schon mit Ledersohlen aus? 

 

Eine fachgerechte Sohlenreparatur erfordert schließlich neben handwerklichem Können auch Fachwissen in SchuhmachartenLederkunde und Anatomie.

 


Mit der Meisterpflicht im Schuhmacherhandwerk war dieses Wissen  übrigens lange Zeit gesetzliche Voraussetzung um die Schuhe anderer Leute zu reparieren. Seit 2003 liegt es allein in der Verantwortung des Kunden, die fachgerechte Ausführung von Schuhreparaturen zu kontrollieren. 

Es geht nicht ohne Etwas Anatomie: Der Spreizfuß

Ein gesunder Fuß verteilt die auf ihn wirkende Last dynamisch auf Ferse und Fußaußenseiten. Der Hauptanteil des Gewichts liegt beim Stehen und Gehen also auf Ferse, Klein- und Großzehballen.

Gesunder Fuß mit gesundem Fußgewölbe © Andreas Baumbach

Der durch Bänder und Muskeln gehaltene Spannungsbogen zwischen Kleinzeh- und Großzehballenpunkt wird in der Biomechanik als Quergewölbe (blaue Linie) bezeichnet.

 

Durch Überanstrengung, hohe Belastung, schwache Bänder oder Muskeln, aber auch durch falsches Schuhwerk kann sich das Quergewölbe absenken. 

Ein abgesenktes (kontraktes) Quergewölbe wird als Spreizfuß (Pes transversoplanus) bezeichnet. Diese Fehlbildung kann mit zunehmender Intensität Schmerzen bereiten.

 

Das Absenken des Quergewölbes verbreitert (spreizt) den Fuß und verlagert die Hauptbelastungspunkte von den Fußaußenseiten (Klein- und Großzehballen) nach innen. Da gehört die Belastung aber nicht hin, beim Spreizfuß bilden sich daher Schwielen unter dem zweiten und dritten Mittelfußknochen, die bei Belastung Schmerzen verursachen können. 

Spreizfuß mit abgesenktem Quergewölbe © Andreas Baumbach

Wann müssen Sie die Sohlen reparieren lassen?

Neue Schuhe verfügen im Vorfußbereich über eine Laufsohle mit - im Idealfall - durchgehend gleicher Stärke. Der Fuß findet eine ebene Auftrittsfläche vor, fast wie beim barfuß laufen auf einer ebenen Fläche.

 

Unter stärkerer Belastung senken sich Fuß und Quergewölbe, Unebenheiten behindern den Fuß bei der Verteilung der Lasten und der natürlichen Schrittabwicklung.

Querschnitt durch neuen Schuh. Sohle mit gleicher Stärke, ebene Auftrittsfläche

Früher oder später ist die Sohle durchgelaufen. Dann bekommen Sie nicht nur nasse Füße.

 

Auch gesundheitlich ist es nun höchste Zeit, die Sohle zu reparieren und dem Vorfuß wieder eine ebene Auftrittsfläche zu bieten. Eine hochwertige Sohlen-Reparatur stellt den Neuzustand wieder her. Sie lässt sich sogar beliebig oft wiederholen.


Hochwertige SohlenReparatur

Bei unserer hochwertigen, fachlich korrekt ausgeführten Reparatur wird die Sohle im Bereich der neuen Sohle nicht einfach nur angeraut sondern komplett entfernt. Ist Ausball vorhanden, wird dieser kontrolliert und gegebenenfalls erneuert.  Die neue Sohle aus langlebigem Material von Markenherstellern wird in Stärke der entfernten Sohle mit hochwertigen, wieder ablösbaren Spezialklebstoffen für die Schuhreparatur aufgebracht und im Übergangsbereich egalisiert, so das die Sohle durchgehend wieder über die gleiche Stärke verfügt.

 

Die hochwertige Reparatur lässt sich beliebig oft wiederholen, ohne Schäden am Schuh zu verursachen. Die biomechanischen Eigenschaften bleiben erhalten, sie bedarf aber mehr Aufwand und teurere Materialien.

Minderwertige Sohlenreparatur

Dieser Schuh wurde falsch besohlt. Die gegenüber der Originalsohle dünnere Sohle ist in kürzerer Zeit wieder durchgelaufen. Zudem wird die Sohle gegenüber dem Original optisch immer dicker, aber nur aussen, in der Mitte der Sohle ist die Sohle nach der Reparatur sogar dünner als im originalen Neuzustand. Wird auch noch mit Sekundenkleber verklebt, lässt sie sich nicht ablösen und Originalmaterial wird beschädigt.

 

 

Je öfter der Schuh auf diese Weise repariert wird, desto schlechter werden die Trageeigenschaften des Schuhs. Durch die geringere Materialstärke wird vorzeitig die nächste Besohlung nötig. Auf die Tragzeit einer korrekten Reparatur ist diese Reparatur  mitunter auch noch teurer als eine korrekte Reparatur. 

Ledersohle ist nicht gleich Ledersohle

Eine schlechte, fachlich mangelhaft ausgeführte Sohlenreparatur ist von einer hervorragenden, mit hochwertigen Materialien ausgeführte Sohlenreparatur vom Laien mit einem Blick auf die Sohle allein nicht zu unterscheiden. Die wesentlichen Unterschiede spielen sich im Inneren des Bodens, also unterhalb der neuen Sohle ab. 


Material: Lederkunde

Billiges Leder

Bei vielen Konfektionsschuhen finden sich minderwertige Ledersohlen, die mit schnellen, günstigen Gerbverfahren hergestellt wurden. Das Ergebnis sind Schuhe, in denen Sie schnell nasse Füsse bekommen und die Sohle viel zu schnell wieder durchgelaufen ist. 

 

Das aber ist kein Nachteil von Ledersohlen.

Das ist nur ein Nachteil von schlechten Ledersohlen.

Billige Ledersohle mit künstlichem Narben

Hochwertiges Leder

Wir geben uns dennoch auch in diesem Bereich etwas mehr Mühe , greifen zu Ihren Gunsten etwas tiefer in die Tasche und halten nach wie vor altgegerbtem Sohlenleder aus der Gerberei Rendenbach in Trier die Treue. Denn die Verwendung schlechter Materialien ist – trotz billigerer Preise – auf die gesamte Laufzeit gesehen unrentabel. 

Bei grubengegerbten Sohlen kann das Gerben 9 Monate und länger dauern, denn die Gerbung erfolgt mit pflanzlichen Gerbstoffen in Gruben, daher der Name Grubengerbung.

Die Leder durchfahren den sogenannten Farbengang, die pflanzlichen Gerbstoffe benötigen viele Monate, um langsam in das Leder einzudringen.

Hochwertige Ledersohle mit fehlerfreiem natürlichem Narben von Rendenbach

Leder-Stärkenmessung mittels Laserstrahl

Die Stärke der fertigen Sohle wird mittels Laserverfahren an mehreren Punkten der Ledersohle vermessen, um eine einheitliche Stärke der Sohle zu garantieren. Die Sohle ist also an der Spitze nicht dünner als im Gelenk, an der Aussenseite nicht dicker als innen, die linke Sohle nicht dicker als die rechte. Die strenge Qualitätskontrolle ist eines der besonderen Qualitätsmerkmale.

 

Kein Spaltleder: Rendenbachleder werden nicht gespalten, unterschiedliche Sohlenstärken ergeben sich einzig aus der Verwendung unterschiedlich starker Rohhäute. Das wertvolle  Unterhaubindegewebe bleibt erhalten.

 

Rendenbachleder verfügt über den natürlichen Originalnarben. Fehlerhafte Rohware oder Gerbfehler sind dadurch sofort erkennbar und ein Reklamationsgrund. Mit solch offenen Karten spielt nicht jeder Anbieter, der künstliche Narben von Spaltledersohlen sieht immer hervorragend aus, eine Einschätzung der Lederqualität am fertigen Schuh ist so aber nicht einmal für den Fachmann noch möglich.

 

Den Narben - also die natürliche Hautoberfläche - übertünchen wir nicht mit Farbe, damit auch unsere Kunden die Natürlichkeit und Fehlerfreiheit der Ledersohle prüfen können. Farbe und Struktur sind typisch. Mit etwas Erfahrung lernt man eine Ledersohle aus der Gerberei Rendenbach sogar ohne Stempel  an ihrer speziellen Färbung und Narbenbeschaffenheit zu erkennen.

LLOYD-Schuh mit neuer Rendenbachledersohle und neuem Ledergummiabsatz
LLOYD-Schuh mit neuer Rendenbachledersohle und neuem Ledergummiabsatz

Das pflanzliche Gerbverfahren macht Ledersohlen vollständig biologisch abbaubar.

Schuhmacharten

Die häufigsten genähten Herstellungsverfahren (Macharten) sind rahmengenähte und durchgenähte Schuhe. Mit und ohne Zwischensohlen. Darüber hinaus gibt es aber auch zwiegenähte und flexibelgenähte Schuhe.  Machart und Ausführung  entscheiden darüber, ob genäht werden muss und wenn ja, mit welcher Maschine.

 

Ist die Sohle beim rahmengenähten Schuh erst mal durchgelaufen, sollen seine Vorzüge natürlich auch nach einer Reparatur erhalten bleiben und nicht ungefragt verändert werden. Während dünnere Sohle auch durch Klebung dauerhaft am Schuh befestigt werden können, lösen sich mehr als 5 mm starke Sohlen ab, zumal die Klebefläche nur auf den schmalen Rahmen begrenzt ist. Bei einer tadellosen Reparatur wird die Sohle also auch wieder an den Rahmen genäht.

 

Die Reparatur von genähten Schuhen ist daher mit zusätzlichem Aufwand verbunden und  benötigt weitere Kenntnisse und Fähigkeiten, um den Schuh nicht ungefragt „umzuarbeiten“ sondern fachlich korrekt wieder technisch in den Zustand und Tragekomfort zu versetzen, der „ab Werk“ vorgesehen ist.

 

Die Sohlen rahmengenähter Schuhe sind besonders dick (5-5,5 mm). Die Vorteile:

  • besonders lange haltbar,
  • besonders unempfindlich gegen Nässe (hier ist auch die hochwertige Gerbung von Bedeutung),
  • isolieren gut bei Kälte oder Hitze,
  • sorgen für einen gedämpfteren Auftritt
  • geben dem Schuh gute Stabilität
  • Keine statische Aufladung
  • Kein Abrieb von Mikroplastik
  • Biologisch abbaubar

Wer die höheren Kosten scheut, kann vor dem ersten Tragen eine Gummisohle aufbringen lassen 🔗, der Wechsel einer Gummisohle ist weitaus günstiger.

LLOYD-Schuh mit neuer Rendenbachledersohle und neuem Ledergummiabsatz
Rahmengenähter Schuh mit neuer, genähter Ledersohle und neuem Ledergummiabsatz von Rendenbach.

© Andreas Baumbach

Das Urheberecht für alle Texte, Grafiken, Bilder und Fotos liegt bei Andreas Baumbach.