Wanderschuh auf dem Lusen im Bayerischen Wald

Tipps für Wanderschuhe

Auch Wanderschuhe gehören mittlerweile zu den speziellen Schuhsorten, die durch immer industriellere Fertigung für den Schuhmacher immer schlechter zu reparieren sind.

 

Klassischen Modelle wie das hier abgebildete Modell mit einfach wechselbarer Vibramsohle waren schon immer recht einfach und damit günstig zu reparieren, sind heute aber nur noch selten zu finden.  Wenn überhaupt sind zwiegenähte Modelle oft fürs Gebirge gemacht und für Mittelgebirgswandern tatsächlich schon etwas zu schwer. Mittlerweile werden Wanderschuhe fast ausschließlich mit Schalensohlen  hergestellt, die auch wir zur Neubesohlung ans Werk senden.

 

Für Wanderungen im Taunus oder anderen Mittelgebirgen sollte es kein steigeisenfestes Hochgebirgsmodell sein. Turnschuhe oder Turnschuhähnliche "Wanderschuhe" sind allerdings auf Dauer zu leicht und verschleißen schneller. Greifen Sie lieber zu einem "schwereren" Modell, sie werden vielfach länger Freude daran haben. 

Klassischer Wanderschuh, Obermaterial und Futter aus strapazierfähigem Leder, keine Nähte im Ballenbereich, einfacher Sohlenwechsel möglich.
Klassischer Wanderschuh. Obermaterial und Futter aus strapazierfähigem Leder, keine Nähte im Ballenbereich, einfacher Sohlenwechsel möglich.

Oberteil (Schaft)

 

  • Um das Sprunggelenk zu schützen, sollten Sie einen Schaftstiefel verwenden, der über die Knöchel reicht, diesen vor Stößen schützt und beim Umknicken ein Überdehnen der Bänder entscheidend mindert. 
  • Für die Nähte gilt: Je weniger, desto besser. Ein Modell, das am Ballen, da wo die Gehfalten sind, keine Nähte vorweist, ist unbedingt vorzuziehen. Wo keine Naht ist, geht auch keine kaputt.
  •  Ein Wanderschuh sollte über eine Schnürung verfügen, nur so können Sie den Schuh optimal an Ihren Fuß anpassen und einen sicheren Sitz erzeugen. Sollten Sie bergab mit der großen Zeh anstoßen, können Sie dies für längere Abstiege mit herzhafter Schnürung abmildern oder sogar ganz beheben. 
  • Lassen Sie sich von Werbesprüchen nicht täuschen: Leder ist als Obermaterial unerreicht robust, wasserdicht, atmungsaktiv, temperaturausgleichend und schützt den Fuß wie kein anderes Material. 
  • Vergessen Sie auch beim Futter diese ganzen atmungsaktiven Textilmaterialien und greifen Sie zu einem Schuh mit Lederfutter. Sie werden weniger schwitzen, auch im Sommer, und obendrein länger Freude an solchen  Schuhen haben.
  • Achten Sie darauf, das die Einlegesohlen sich schon aus hygienischen Gründen problemlos erneuern lassen. Mit höherwertigen speziellen Sporteinlagen lässt sich der Tragekomfort oft zusätzlich noch einmal erheblich verbessern. 

 

Sohle

  • Obwohl der Everest und die Eiger Nordwand noch mit genagelten Ledersohlen bestiegen wurden, sind griffige Profilsohlen aus Gummi von Vibram heutzutage die erste Wahl, nicht nur im Gebirge.

  • Aus ökologischen Gründen sollten die Sohlen selbstverständlich reparabel sein.  Dazu ist es für uns Schuhmacher wichtig, das die Sohle und deren Unterbau nicht abgerundet am Schaft nach oben läuft, sondern rundum eine gerade Kante aufweist. Nur dann lässt sich die Sohle rundum fest anpressen, schleifen und damit sicher verkleben. 
Nur bei geraden Abschlusskanten ist eine Neubesohlung problemlos möglich.

  • Lassen Sie sich beim Kauf am besten schriftlich zusichern, das der Schuh – wenn schon nicht vom Schuhmacher, dann wenigstens – vom Hersteller auch neu besohlt werden kann.  Dann rechnet sich auch ein höherer Preis. Denn nichts ist dümmer und unökologischer, als einen gut eingetragenen, langjährigen zuverlässigen Begleiter auf den Müll zu schmeißen, weil er sich nicht besohlen lässt.
Steigeisenfester Hochgebirgs-Wanderschuh mit reparaturfähigem Sohlenunterbau. Die alte Sohle lässt sich problemlos ablösen und muss nicht herunter geschliffen werden. Am Schafthochgezogene Gummielemente sind von der Sohle getrennt.
Steigeisenfester Hochgebirgs-Wanderschuh mit reparaturfähigem Sohlenunterbau. Die alte Sohle lässt sich problemlos ablösen und muss nicht herunter geschliffen werden. Am Schafthochgezogene Gummielemente sind von der Sohle getrennt.
  • Die Sohlen von Wanderschuhen verfügen über eine sogenannte Ballenrolle, der hohe Spitzenhub des Leistens erleichtert so dem Fuß das Abrollen, da die Sohle einen Teil der Arbeit übernimmt. 

Gewicht

  • Ultra leichte Trekkingschuhe empfehlen wir nicht, denn Gewicht sparen geht mit "am Material und an der Qaulität sparen" Hand in Hand.

    Ein zünftiger Wanderschuh, mit dem Sie auch mal einen Bach queren und gefahrlos über Steine und Wurzeln laufen können, muss einfach etwas stabiler und damit etwas schwerer hergestellt werden.  Sonst haben Sie nicht lange Freude daran.

    In Relation zu Ihrem Körpergewicht und zum Rucksack machen ein paar 100 Gramm Gewichtsersparnis für Ihre Füße keinen Unterschied. Da fragen Sie lieber Ihren Wanderpartner, ob er Ihnen mal den Rucksack abnehmen kann, da sparen Sie weitaus mehr.

Anprobe

  • Probieren und Tragen Sie Wanderschuhe  immer mit speziellen Wandersocken. Wandersocken sind an Ferse und Ballen verstärkt und polstern somit den Fuß zusätzlich ab, das erhöht die Wanderkilometerzahl ungemein. 
  • Haben Sie einen Kandidaten entdeckt, probieren Sie ihn unbedingt 10 Minuten und länger an. Laufen Sie wenn möglich auch einmal eine Treppe o. ä. damit auf und ab. Erst nach 5 Minuten offenbaren sich Stellen, die reiben können.
  • Probieren Sie links und rechts auch ruhig einmal unterschiedliche Größen an, dann können Sie im Zweifel besser vergleichen.
  • Achten Sie bei der Anprobe darauf, das alles richtig sitzt und ziehen Sie die Senkel nicht zu fest an. Die Zehen dürfen vorne keinesfalls anstoßen, die Ferse sollte fest im Schuh sitzen.
  • Der obere Schaftabschluß sollte nicht reiben, das lässt sich gut beim "Bergauf"-Gehen testen (Treppe).

Einlaufen

  • Tragen Sie die Schuhe zu Beginn einmal mehrere Stunden in der Wohnung, erst danach auf Spaziergängen im Park oder im Gelände.
  • Synthetische Materialien  verfügen über hohe Rückstellkräfte, wie ein Gummiband dehnen sie sich, fallen dann aber in die ursprüngliche Lage zurück. Sie sind recht schnell, aber nie wirklich eingelaufen, stattdessen ermüdet das Material und geht nach einigen Jahren kaputt. 
  • Schuhe mit langlebigerem Oberleder und Futterleder "lernen" beim Einlaufen, an welchen Stellen genau Ihr ganz persönlicher Schuh  flexibel werden muss, um ihrem Fuß den Platz und die Bewegungsfreiheit zu geben, den er benötigt. An anderen Stellen bietet er festen Halt und schützt wirksamer als dünnes Synthetik-Mesh vor Verletzungen.
  • Bei Leder können Sie in buchstäblichen Härtefällen mit Wasser nachhelfen. Nässen Sie Oberleder und laufen Sie  ca. eine halbe Stunde. Danach aber wieder imprägnieren.
  • Sollten Sie auch nach längerer Einlaufphase unzufrieden sein, können Sie den Schuh bei uns Weiten lassen.
  • Je fester, stabiler, robuster und langlebiger der Schuh ist, desto länger dauert die Einlaufphase, desto länger haben Sie aber auch Freude an Ihrem Schuh. Einen perfekten Kauf werden Sie dann kein zweites mal tätigen müssen, das spart Geld und Verdruss.

Pflege

  • Die ist nun wirklich einfach. Nach einer matschigen Wanderung lassen Sie die Schuhe einfach trocknen, bei der nächsten trockenen Wanderung blättert der Schmutz von ganz alleine ab.
  • Ab und zu den Schuh mit Wasser reinigen und nach dem Trocknen imprägnieren. Eine zusätzliche Imprägnierung vor Regenwetter freut den Schuh umso mehr.
  • Am besten ausdrücklich für das Modell empfohlene Pflegemittel des Herstellers verwenden.
  • Niemals in die Waschmaschine und niemals auf die Heizung stellen, Temperaturen über 35° C sind für Schuhe tabu.
  • Ein Paar Ersatz-Schnürsenkel im Rucksack bereithalten.
  • Halten Sie gerade zu Beginn ein paar Blasenpflaster  aus Drogerie oder Apotheke bereit und bringen Sie diese gezielt und möglichst frühzeitig an. Das erleichtert das Einlaufen ungemein. Planen Sie auch zu Beginn nicht allzulange Touren, die Sie nicht abbrechen können. Mit der Zeit werden Sie das Gewicht Ihres Rucksacks um einige Gramm reduzieren können.