Die Blake-rahmengenähte Konstruktion verbindet die Präzision einer maschinellen Naht mit den Reparaturmöglichkeiten eines rahmengenähten Schuhs. Gleichzeitig eröffnet sie dem Maßschuhmacher gestalterische Freiheiten, die bei anderen Macharten nur eingeschränkt möglich sind. Deshalb bevorzugen wir diese Konstruktion bei unseren Maßschuhen.
Der Rahmen wird mit der Durchnähmschine (Blake) direkt durch Brandsohle, Schaft und Rahmen vernäht. Anschließend wird die Laufsohle oder die Zwischensohle mit einer zweiten, von außen sichtbaren Naht auf dem Rahmen befestigt. Dadurch entstehen zwei voneinander getrennte Nahtverbindungen: Die Blake-Naht verbindet den Schuh mit dem Rahmen, die Sohlennaht befestigt die Laufsohle. Bei einer Neubesohlung muss nur die äußere Sohlennaht erneuert werden.
Beide Macharten sind technisch ähnlich aufgebaut. Der entscheidende Unterschied liegt in der Nahtführung: Beim Goodyear-Schuh erfolgt die Verbindung über einen Einstechdamm oder ein Gemband, bei der Blake-Rahmen-Machart direkt durch Brandsohle, Schaft und Rahmen.
Die Laufsohle kann erneuert werden, ohne die tragende Verbindung zwischen Schaft und Rahmen zu öffnen. Sollte die Blake-Naht oder der Rahmen nach vielen Jahren beschädigt sein, lassen Rahmen und Naht sich maschinell erneuern. Bei Goodyear- oder handrahmengenähten Schuhen ist die Erneuerung der Einstechnaht deutlich aufwendiger.
Kennzeichnend ist - nach entfernen der Decksohle - die auf der Brandsohle sichtbare Durchnähnaht. Beim klassischen Goodyear-Schuh bleibt dieser Bereich glatt, da die Verbindung zum Rahmen über den Einstechdamm oder ein Gemband erfolgt.
Die Blake-Nähmaschine stammt aus dem 19. Jahrhundert. In der Blake-rahmengenähten Ausführung verbindet sie bewährte Maschinentechnik mit den Anforderungen einer individuell gefertigten und langfristig reparierbaren Maßarbeit.
Blake-Rahmengenähter Schuh

Rahmengenähter (Goodyear Welted) Schuh

Geprüfte Qualität – unabhängig bestätigt
Die Festigkeit der Verbindung zwischen Schaft und Laufsohle haben wir 2011 vom unabhängigen Prüf- und Forschungsinstitut (PFI) in Pirmasens prüfen lassen. Dabei übertraf unsere Blake-rahmengenähte Konstruktion die geforderten Mindestwerte der Sohlenhaftung je nach Messpunkt um mehr als das Zwei- bis Dreifache.
Im Ballenbereich fordert die Prüfnorm eine Haftfestigkeit von mindestens 200 N. Unser Prüfschuh erreichte 603 bis 760 N.
An der Schuhspitze werden mindestens 300 N verlangt; gemessen wurden 709 bis 747 N.
Damit wurden sämtliche prüfungsrelevanten Anforderungen mit deutlichem Sicherheitsabstand erfüllt. Die gemessenen Werte lagen je nach Messpunkt mehr als zwei- bis dreimal über den geforderten Mindestwerten.
Die unabhängige Prüfung bestätigt die hohe Festigkeit der Verbindung zwischen Schaft und Laufsohle.
Da die Brandsohle weder durch vorgestochene Nahtlöcher noch durch konstruktiv vorgegebene Formen eingeschränkt wird, kann der Leisten bis zur endgültigen Passform frei gestaltet werden. Ausgeprägte Fußformen, starke Ballen, hohe Spannhöhen oder Anpassungen für Einlagen lassen sich ohne konstruktive Kompromisse umsetzen und anschließend direkt am Originalschaft bei der Anprobe überprüfen.
Der Rahmen wird erst nach der Anprobe an den fertigen Schuh genäht. Dadurch kann seine Breite individuell gewählt werden – von einem nahezu unter dem Schuh verschwindenden Rahmen bis hin zu ausgesprochen breiten, sportlichen Ausführungen. Rahmenbreiten von mehr als 20 mm sind möglich, während die Breite bei der Goodyear-Machart durch die Maschinenkonstruktion meist stärker begrenzt ist.
Auf den angenähten Rahmen können unterschiedlichste Laufsohlen aufgebracht werden – klassische Ledersohlen, feine Gummisohlen, kräftige Profilsohlen oder Kombinationen daraus. Die Laufsohle lässt sich später erneuern oder gegen eine andere Ausführung austauschen, ohne die eigentliche Schuhkonstruktion zu verändern.
Im Gegensatz zur handrahmengenähten Bauweise entfallen mehrere zeitaufwendige Arbeitsschritte wie das Vorstechen der Nahtlöcher und das Anfertigen eines Pechdrahtes. Die Blake-Naht wird maschinell mit einem hochfesten und verrottungsbeständigen Polyestergarn ausgeführt. Dadurch lässt sich eine dauerhaft belastbare Verbindung herstellen, ohne unnötige Zeit- und Mehrkosten zu verursachen.
Da wir Ihren individuellen Leisten aufbewahren, können Laufsohle, Rahmen und bei Bedarf sogar die Blake-Naht später erneuert werden. Auch ein stark abgetragener Schuh lässt sich dadurch häufig wirtschaftlich wieder aufbauen. Selbst ein vollständig verschlissener Rahmen kann auf dem Originalleisten ersetzt werden, während Schaft und Passform erhalten bleiben.
Durch die nahezu identische Konstruktion sind die Sohlenreparaturen für rahmengenähte, Goodyear und Blake-Rahmengenähte Schuhe identisch.

Ob Blake-rahmengenäht oder klassisch Goodyear – beide stehen für handwerkliche Qualität und echte Rahmennähte. Wir erneuern Sohlen, Rahmen und Einstechnaht mit originalgetreuen Materialien und pflegen Ihre Schuhe fachgerecht – präzise, haltbar und formstabil.
Blake-rahmengenähte Schuhe werden in der Klassifikation oft als kombinierte Machart, nicht als "rahmengenäht" bezeichnet. Ordnet man kombinierte Bodenbefestigungen nach der zuerst ausgeführten Naht ein, gehört sie zur Gruppe der durchgenähten Macharten, da die Blake-Naht zunächst die Brandsohle, Schaft und Zwischensohle miteinander verbindet. Deshalb bezeichnen manche Fachautoren diese Konstruktion nicht als rahmengenäht, sondern als eine besondere Form der durchgenähten Machart.
Gleichzeitig vereint sie drei wesentliche Vorteile klassisch rahmengenähter Schuhe: Die Laufsohle kann durch die separate Rahmennaht vergleichsweise einfach ersetzt werden, die Sohlenkonstruktion bietet einen guten Schutz gegen eindringende Feuchtigkeit und der Hohlraum unter der Brandsohle kann mit einer elastischen Ausballmasse ausgefüllt werden. Diese verbessert die Dämpfung, erhöht den Gehkomfort und trägt zu einer langlebigen, formstabilen Konstruktion bei.
Aus Sicht des Kunden unterscheidet der Blake-rahmengenähte Schuh sich kaum vom klassisch von Hand rahmengenähten Schuh. Hinsichtlich Haltbarkeit, Reparaturfähigkeit, Dämpfung und Tragekomfort liegen beide Konstruktionen auf einem vergleichbar hohen Niveau.
| Eigenschaft | Klassisch (Hand-) rahmengenäht | Blake-rahmengenäht |
|---|---|---|
| Reparaturfähigkeit | Hervorragend | Hervorragend |
| Laufsohlenwechsel | Sehr einfach | Sehr einfach |
| Wasserdichtigkeit | Sehr gut | Sehr gut |
| Dämpfung | Sehr gut | Sehr gut |
| Haltbarkeit | Sehr hoch | Sehr hoch |
| Gewicht | Praktisch identisch | Praktisch identisch |
| Flexibilität | Praktisch identisch | Praktisch identisch |
| Anprobe vor Fertigstellung | Nicht möglich | Möglich |
| Passform | Praktisch identisch | Praktisch identisch |
| Tragegefühl | Etwas kräftigerer Sohlenaufbau | Etwas direkteres Bodengefühl |
Aus Sicht des Maßschuhmachers ist Blake-rahmengenäht eine völlig andere Welt als der klassisch von Hand rahmengenähte Schuh. Für den Träger dagegen sind die Unterschiede überraschend klein.
Dafür stehen auf der Werkbank enorme Unterschiede:
Die größten Unterschiede entstehen daher nicht am fertigen Schuh, sondern während seiner Herstellung. Während der Träger im Alltag kaum Unterschiede bemerkt, spart der Schuhmacher viele Stunden hochqualifizierter Handarbeit ein. Genau darin liegt der wesentliche Vorteil dieser Machart: Sie verbindet die gebrauchstechnischen Eigenschaften eines rahmengenähten Schuhs mit einem deutlich effizienteren Herstellungsprozess.
Ein wesentlicher Vorteil der Blake-rahmengenähten Machart zeigt sich insbesondere bei der Herstellung von Maßschuhen. Schaft, Brandsohle sowie Vorder- und Hinterkappe werden zunächst lediglich auf dem Leisten aufgebaut und verklebt. In diesem Stadium kann bereits eine erste Anprobe erfolgen, obwohl Rahmen, Ausballung, Zwischensohle, Laufsohle und Absatz noch nicht angebracht wurden.
Zeigt sich dabei beispielsweise, dass die Ferse noch nicht ausreichend Halt bietet oder der Ballenbereich erweitert oder verschmälert werden muss, können am Leisten noch umfangreiche Änderungen vorgenommen werden. Die gesamte Passform lässt sich dadurch wesentlich freier korrigieren als an einem bereits fertig aufgebauten und vernähtem Schuh.
Bei klassisch handrahmengenähten Schuhen entsteht die eigentliche Verbindung zwischen Schaft und Rahmen bereits durch die von Hand ausgeführte Rahmennaht. Mit ihr wird die Form des Schuhs weitgehend festgelegt. Würde der Leisten nach dieser Naht beispielsweise im Ballenbereich deutlich verbreitert, verschöben sich die Stichlöcher der Rahmennaht nach oben und könnten später sichtbar werden. Umfangreiche Passformkorrekturen sind deshalb nach dem Annähen des Rahmens nur noch eingeschränkt möglich.
Die Blake-rahmengenähte Konstruktion verlagert diesen entscheidenden Arbeitsschritt bewusst hinter die Anprobe. Erst wenn Passform und Leistenform den gewünschten Anforderungen entsprechen, werden Rahmen und Zwischensohle gemeinsam durch die Blake-Naht dauerhaft miteinander verbunden. Dadurch bleibt bis kurz vor Abschluss der eigentlichen Sohlenkonstruktion ein deutlich größerer Spielraum für präzise Passformkorrekturen – ein Vorteil, der gerade im Maßschuhbau von erheblicher Bedeutung ist.
